10 Jahre Cross Mentoring und ELIGO Potenzialanalysen – Frau Dr. Sabine Piska-Schmidt und Frau Dr. Hofbauer im Interview mit ELIGO

10. November 2021 in News

Das bereits 2005 ins Leben gerufene Cross Mentoring Programm richtet sich an Frauen aus dem Bundesdienst Österreich, die ihre Karrieremöglichkeiten ausloten möchten und dabei offen sind für neue Perspektiven. Es dient als Sprungbrett in Führungspositionen, als Raum zum Mut machen und zur Förderung. Seit 2011 begleitet ELIGO mit einer Potenzialanalyse für die Teilnehmerinnen dieses tolle Projekt.

Im Tandem mit Mentor*innen, in selbstverwaltenden Peer Groups und durch organisierte Rahmenveranstaltungen werden teilnehmende Frauen, die Mentees, begleitet. Das gemeinsame Ziel: Die eigenen Potenziale klarer erkennen und ausschöpfen. Zum 10-jährigen Jubiläum unserer Zusammenarbeit haben wir uns mit der Leiterin des Programms, MR Dr. Sabine Piska-Schmidt, und einer Teilnehmerin aus 2020, Frau Dr. Alexandra Hofbauer, virtuell getroffen. Im Interview sprechen wir über die immer noch aktuellen Ziele des Programms, die Bedürfnisse der Mentees, Veränderungen in den letzten 15 Jahren und die Zusammenarbeit mit ELIGO.

MR Dr. Sabine Piska-Schmidt Leiterin des Referat EU Jobs und Cross Mentoring Programms und stellvertretende Leiterin der Abteilung Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport

Dr. Alexandra Hofbauer, Geschäftsführende stellvertretende Abteilungsleiterin I/3

 

Interview

ELIGO: Frau Dr. Piska-Schmidt, welche Ziele verfolgt das Cross Mentoring Programm?

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Sabine Piska-Schmidt: Das erste Ziel ist es, dass mehr Frauen den Mut aufbringen, eine Führungsposition anzustreben und ihre persönliche Weiterentwicklung voranzutreiben. Es geht darum, über den Tellerrand zu blicken und ihnen Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen, die sie vielleicht noch nicht sehen. Seit Jahren beobachtet unsere Sektion mittels Gender-Controlling, wie sich der Frauenanteil generell und speziell in Führungspositionen entwickelt, und wir sehen, dass der Frauenanteil kontinuierlich ansteigt. Der Anstieg ist wohl nicht primär auf das Programm zurückzuführen, aber das Programm ist ein wichtiger Impuls.

Ein weiteres Ziel ist es, die Vernetzung der Mentees zu stärken. Männer bauen Netzwerke nach wie vor leichter auf als Frauen. Daher möchten wir die Mentees hier gezielt unterstützen, indem sie andere Ressorts und deren Blickwinkel kennenlernen. Viele Mentor*innen nehmen ihre Mentees mit zu Veranstaltungen und stellen so den Kontakt zwischen ihrem eigenen Netzwerk und den Mentees her. Für die Vernetzung arbeiten wir außerdem mit einer Online-Plattform, auf der die Mentees die Profile von Kolleg*innen aus anderen Ressorts finden. So können sie die Kompetenzen ansehen, um sich z. B. auch über fachliche Themen auszutauschen. Vertreten sind pro Jahrgang rund 100 Expert*innen, die man sonst nicht kennenlernen würde.

ELIGO: Frau Dr. Hofbauer, Sie haben das Programm 2020 durchlaufen. Was waren Ihre Beweggründe zur Teilnahme?

Alexandra Hofbauer: Das erste Mal habe ich vom Programm durch die Kollegin gehört, die aus unserem Ressort Teilnehmerinnen auswählt. Eine andere Kollegin hat bei einem Führungskräftelehrgang darüber berichtet. Die Einblicke in andere Bereiche fand ich sehr spannend, den Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen im gleichen Alter, aber auch Feedback von erfahrenen Führungskräften zu erhalten. Das hat mich direkt angesprochen und passte zu meinem Wunsch, mich persönlich weiterentwickeln zu wollen.

ELIGO: Hat sich die Zusammensetzung der Mentees über die Jahre verändert, Frau Dr. Piska-Schmidt?

Piska-Schmidt: Die Mentee-Gruppe ist schon immer sehr divers gewesen. Es gibt Kolleginnen, die erst seit 2-3 Jahren im Bundesdienst tätig sind, aber auch Kolleginnen, die schon lange dabei sind. Und es gibt Jahre, in denen Ressorts vertreten sind, die lange Zeit nicht dabei waren. Dementsprechend ist auch das Spektrum der Bedürfnisse sehr breit.

Wir stellen insgesamt fest, dass die jüngeren Mentees im Gegensatz zu früher mehr durch ihre Partner im Haushalt und bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützt werden. Außerdem kehren Mentees, die während des Programms schwanger werden, viel schneller wieder in den Dienst zurück. In diesen Fällen kann das Programm Frauen sehr gut unterstützen und Rollenmodelle aufzeigen, wie eine Rückkehr in den Dienst aussehen und die Karriere weiter vorangetrieben werden kann. Mentorinnen, die dies selber schon geschafft haben, können Mentees in dieser Situation Mut machen und Wege aufzeigen, wie man Karriere und Kinder unter einen Hut bringt. So wird der Bruch für die Frauen relativ klein gehalten. Man merkt in den letzten Jahren natürlich auch den gesellschaftlichen Wandel. Der Kinderwunsch verschiebt sich nach hinten. Vor einigen Jahren haben die jüngeren Frauen noch nicht so an ihrer Karriere gearbeitet wie jetzt. Sie hegen einen sehr starken Karrierewunsch und wollen sich frühzeitig beruflich etablieren.

ELIGO: Gibt es Themen, die gerade besonders aktuell sind?

Piska-Schmidt: Die Themen „Wie geht Führung“, „Selbstmarketing“ oder auch das Thema „Nein-Sagen“ werden immer wichtiger. Gerade im Lockdown ist offensichtlich geworden, dass viele Frauen einer Doppelbelastung durch Beruf und Homeschooling ausgesetzt waren. Das sind Themen, die neu sind. Bei der finalen Themenfindung in den Peer Groups und Rahmenveranstaltungen kommt es schlussendlich aber immer auf die Innovationskraft der jeweiligen Mentees an.

ELIGO: Welche Bedeutung hat die Potenzialanalyse in Ihren Augen für das Programm, Frau Dr. Piska-Schmidt?

Piska-Schmidt: Die Mentees profitieren sehr von der Potenzialanalyse. Das Online-Assessment ist seit einigen Jahren der Startpunkt des Programms. Die Durchführung inkl. Reflexion und Rückmeldegespräch direkt zu Beginn hat sich bewährt. Denn so gehen die Mentees mit konkreten Reflexionen und Ideen zu eigenen Kompetenzen ins Programm rein. Wir ermutigen sie, auch das Rückmeldegespräch noch vor der Kick-off-Veranstaltung zu machen, damit der Blick dafür geschärft ist, welche Art von Mentor*in suche ich eigentlich. ELIGO hat mit der Potenzialanalyse also eine gewisse Verantwortung, dass die Mentees gut in das Programm starten. Und das funktioniert wirklich sehr, sehr gut.

ELIGO: Wie haben Sie, Frau Dr. Hofbauer, als Teilnehmerin die Potenzialanalyse empfunden?

Hofbauer: Das Rückmeldegespräch war wirklich toll. Die Trainerin war super, weil sie sehr persönlich auf das Ergebnis, aber auch auf die Umstände eingegangen ist. Man lernt wirklich viel über sich selbst und das Gespräch war auch eine große Unterstützung bei der Interpretation der Ergebnisse.

ELIGO: So eine Potenzialanalyse bringt ja einen neuen Blickwinkel. Welche Ergebnisse waren für Sie überraschend?

Hofbauer: Die Ergebnisse zur „Mitarbeiterorientierung“ und der „Einsatzbereitschaft“. Ich habe mich nicht immer ganz wiedergefunden in den Fragen, entsprechend waren die Daten dann anders, als ich es erwartet hätte. Hier hat mir das Rückmeldegespräch mit der Trainerin besonders geholfen, diese Unklarheiten aufzuklären. Ich fand die Selbstwahrnehmung deswegen sehr wertvoll: Normal macht man sich keine Gedanken über diese Themen und es ist auch einmal gut, dass sich die Perspektive ändert.

ELIGO: Beschreiben Sie, Frau Dr. Piska-Schmidt, kurz aus Ihrer Perspektive, wie Sie die Zusammenarbeit mit uns erleben. Welche Aspekte fallen Ihnen spontan ein, wenn Sie an ELIGO denken?

Piska-Schmidt: Professionalität, Zuverlässigkeit, Flexibilität. Wir evaluieren das Programm regelmäßig und alle sind höchst zufrieden. Im Jahr 2020/2021 waren 91 % sehr zufrieden mit der Abwicklung und dem technischen Support. Die Rückmeldegespräche kommen auch immer sehr gut an. Manche Teilnehmerinnen sind in den Rückmeldegesprächen ein wenig irritiert, wenn sie Dinge gesagt bekommen, die sie nicht so gerne hören. Aber das wird immer sehr gut von den Trainerinnen aufgefangen. Insgesamt haben wir ein sehr gutes Feedback von den Mentees, was auch unsere Zusammenarbeit mit Frau Hiltmann widerspiegelt. Es ist eine sehr hohe Professionalität, das muss ich ELIGO ganz, ganz groß anpinnen.

ELIGO: Welche Mentee-Geschichten sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben, weil sie beispielhaft dafür sind, was das Programm erreichen kann, Frau Dr. Piska-Schmidt?

Piska-Schmidt: Es gibt mehrere schöne Fälle von Mentees, die das Programm durchlaufen haben und dann später als Mentorinnen zurückgekehrt sind. Das zeigt, wie überzeugt diese Frauen selber vom Programm sind. Einige Mentor*innen sind schon 10 Jahre und länger dabei. Es gibt auch Mentees, die von ihren Mentor*innen ein Studium ans Herz gelegt bekommen haben, dieses abschließen, sich auf eine Führungsposition bewerben und die Stelle dann tatsächlich bekommen. Das macht die Mentor*innen immer besonders stolz. Es gibt wirklich viele wunderschöne Beispiele von mutigen Frauen, die ihre Karriere in die Hand nehmen und sich die Zeit auch im privaten Umfeld freischaufeln, um dieses Programm durchzuziehen, neben der normalen Arbeitszeit. Eine tolle Leistung.

ELIGO: Lassen Sie uns zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft werfen: Wenn Sie an die nächsten 10 Jahre denken, was wünschen Sie sich für das Programm?

Hofbauer: An sich natürlich, dass es das Programm in 10 Jahren noch gibt und es sich beständig weiterentwickelt. Was noch toll wäre: Dass es noch mehr weibliche Mentorinnen gibt. Ein älterer Herr hat wahrscheinlich andere Herausforderungen erlebt oder manche gerade nicht erlebt, weil er einen anderen Zugang und Möglichkeiten hatte. Weibliche junge Führungskräfte sind für Frauen ein besonders gutes Vorbild, weil sie das Selbstbewusstsein stärken und einfach einen etwas anderen Austausch ermöglichen.

Piska-Schmidt: Ich persönlich habe nicht zu träumen gewagt, dass ich dieses Programm so lange begleite, seit dem Jahr 2007. Und das Interesse am Programm ist ungebrochen. Wir haben in diesem Jahr wieder 100 Teilnehmer*innen, also 50 Mentees und 50 Mentor*innen. Mein großer Wunsch wäre es, diese Dynamik beizubehalten, und dass wir das Programm immer wieder ein bisschen neu erfinden und aufs nächste Level gehen. Die stetige Weiterentwicklung ist mein größtes Anliegen. Ich hoffe außerdem, dass noch mehr Mentoring-Programme eingeführt werden. Es gibt so viele Bedürfnisse, die da sind und wir entwickeln uns ja auch in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. Der demografische Wandel ist überall ein großes Thema.

ELIGO: Und in Bezug auf die Zusammenarbeit mit ELIGO, gibt es Wünsche?

Piska-Schmidt: Für die Zusammenarbeit mit ELIGO wünsche ich mir, dass es so flexibel und bunt weitergeht. Z. B. hat ELIGO ja hohe Flexibilität bewiesen, mit dem kurzfristigen Umstieg auf die videobasierten Rückmeldegespräche. Und so lernen wieder beide Seiten voneinander, was möglich ist.

 

Liebe Frau Dr. Piska-Schmidt, liebe Frau Dr. Hofbauer, vielen Dank für Ihre Zeit und das tolle Gespräch.

 

Sie haben Interesse an weiteren Einblicken in das Cross Mentoring Programm? Im folgenden Video erzählen Mentees und Mentor*innen von ihren Erfahrungen und besonderen Erinnerungen. Viel Freude beim Schauen.

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